Sehr geehrter Herr Pascal Alter!
Doping im Radsport, da denke ich an meine Begegnung mit Stefan Schumacher, einst einer der besten deutschen Radprofis. Auf einer Pressekonferenz 2007 fragte ich ihn, ob er je gedopt habe. Schumacher sagte nicht Nein; er schüttelte aber den Kopf. Vor zwei Jahren gab er dann im SPIEGEL zu, seit 2001 mit Hormonen nachgeholfen zu haben. Anfang Juli beginnt die Tour de France, erstmals seit vier Jahren wird sie wieder live in der ARD übertragen, die Zeit der öffentlichen Ächtung des Radsports scheint vorbei. Mein Kollege Detlef Hacke ist der Frage nachgegangen, ob die Zuschauer wieder glauben dürfen, was sie sehen: Sind die Fahrer nach den vielen Dopingskandalen sauberer als ihre Vorgänger? Hacke traf die Profis Marcel Kittel und John Degenkolb im Trainingslager, die deutschen Gesichter des Neuanfangs. Kittel sagt: „Das Lager der jungen Fahrer, die anders denken, konnte sich gegen die Alten durchsetzen." Wirklich? Auch Stefan Schumacher galt damals als Gesicht einer neuen, sauberen Generation. Ich weiß noch nicht, ob ich mir die Tour im Fernsehen ansehen werde.
Wer unter der Nervenkrankheit ALS leidet, ist im eigenen Körper gefangen, kann sich nicht mehr bewegen, nicht mehr sprechen. Die meisten Locked-in-Patienten sterben lieber, als regungslos und ohne Kontakt zu ihren Mitmenschen dahinzusiechen. Jetzt gibt es Hoffnung, zumindest ein wenig: Mein Kollege Frank Thadeusz schreibt über einen Neurobiologen, der ALS-Kranke aus der Isolation befreien kann. Mithilfe eines Gedankenlese-Apparats können die Patienten zum Ausdruck bringen, wo sie Schmerzen haben oder auch, was sie gern im Fernsehen gucken würden. Die Geräte messen die Durchblutung des Gehirns. Sie ändert sich je nachdem, ob ein Mensch Ja oder Nein denkt. Eine geniale Idee, eine packende Reportage, nach deren Lektüre ich mich frage: Wo kann man Vorschläge für den Medizin-Nobelpreis einreichen?
Kürzlich erreichte mich eine E-Mail meiner Mutter. Sie schrieb, dass sie gern die Gitarren entsorgen würde, die in meinem Kinderzimmer stehen und dort verstauben. In meiner Jugend spielte ich Bassgitarre in einer Punkrockband. Wir waren mäßig begabt, dafür laut und schnell. Wir spielten Konzerte in leeren Jugendzentren, eine grandiose Zeit. Im neuen SPIEGEL habe ich deswegen sofort das Gespräch mit Patti Smith gelesen. Smith gilt als „Godmother of Punk" und als Ikone des Feminismus. Mein Kollege Thomas Hüetlin hat die 68-Jährige in Berlin interviewt, diesen Sommer ist Smith mit ihrer Band auf Europatournee. Sie spricht über ihre Kindheit mit Hepatitis A, über Konzerte vor 80.000 Menschen und ihren größten Hit („Because the Night"). Mein Lieblingszitat: „Rock 'n' Roll ist die Kunst des Volkes: ein paar Akkorde, jedes Kind, das eine elektrische Gitarre auftreibt, kann in einer Garage mitspielen. Rock 'n' Roll gehört nicht den Königen und Königinnen." Nachdem ich das gelesen hatte, antwortete ich meiner Mutter: „Die Gitarren auf keinen Fall wegwerfen!"
Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen
Ihr Lukas Eberle
SPIEGEL-Redakteur
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