poniedziałek, 14 grudnia 2015

SPIEGEL-Brief

Sehr geehrter Herr Pascal Alter!

Die Geschichte, die mich im neuen SPIEGEL am meisten berührte, stammt aus der Feder meiner Kollegin Antje Windmann. Sie hat jene Frau getroffen, die auf einem Fahndungsfoto ihren Sohn Silvio S. erkannte, der die sechs- und vierjährigen Jungen Elias und Mohamed sexuell missbraucht und danach ermordet haben soll. Die Mutter rief bei der Polizei an. In dem verstörenden Stück beschreibt die Kollegin, wie es dazu kam und wie die Familie mit den unfassbaren Taten ihres Sohnes weiterlebt. "Wir haben zu dritt im Dunkeln gesessen und uns angeschwiegen. Wir waren wie erstarrt, als wäre die Welt auseinandergebrochen", berichtet die Mutter über die Nacht nach der Festnahme ihres Sohnes. Antje Windmann recherchierte die bedrückenden Details seiner Tat. Nachdem er den Flüchtlingsjungen Mohamed zu Hause mit einem schwarzen Nietengürtel erdrosselt hatte, so gab es Silvio S. zu Protokoll, habe er sich das Mittagessen warm gemacht und sei zur Arbeit gefahren.

Sehr lesenswert ist auch eine Geschichte aus dem Archiv des Bundesnachrichtendienstes, die mein Kollege Klaus Wiegrefe aufgeschrieben hat. Er konnte Akten auswerten, die ein dunkles Kapitel in der Geschichte der alten Bundesrepublik dokumentieren. Es handelt von illegalen Verhörmethoden des US-Geheimdienstes CIA auf deutschem Boden. In einer streng bewachten Villa im Taunus soll die CIA in den Fünfzigerjahren Experimente mit Medikamenten an Menschen durchgeführt haben. Einem Russen unter Spionageverdacht injizierten die CIA-Leute einen Medikamenten-Cocktail und versetzten ihn in einen Wahnzustand. Im Sommer 1958 erfuhr das Bundeskanzleramt, dass der US-Geheimdienst auf deutschem Boden "Verdächtige festnimmt, diese monatelang heimlich inhaftiert, rechtswidrig verhört, womöglich sogar foltert". Die Reaktion der deutschen Staatsdiener, so Wiegrefe, fiel überraschend milde aus.

Eine dritte Geschichte, die ich Ihnen empfehlen möchte, hat mein Kollege Hasnain Kazim verfasst. Ein Jahr nach dem verheerenden Terroranschlag der Taliban auf eine Schule in Pakistan hat er den Ort des Massakers in Peschawar besucht, hat mit Überlebenden, mit Zeugen des Massakers gesprochen, bei dem über 130 Kinder und 20 Lehrer das Leben verloren. Er beschreibt den Ablauf des Anschlags, seine unmittelbaren Folgen, überraschend aber sind vor allem die mittelbaren, zeitversetzten Konsequenzen, die nicht nur Peschawar, sondern das ganze Land veränderten. Der Anschlag sorgte dafür, dass ein nationaler Aktionsplan eingeführt werden konnte, mit 20 Punkten zur Terrorbekämpfung: darunter die Reform von Koranschulen, die schärfere Kontrolle von Finanzströmen und härtere Bestrafung von Hassrednern. Es wurden provisorische Militärtribunale eingeführt, um Terrorfälle schneller abzuarbeiten. Die Härte von Regierung und Militär zeigt statistisch Erfolg: Bis Anfang Dezember wurden in Pakistan in diesem Jahr 875 Zivilisten von Terroristen getötet. Und so furchtbar es ist, muss man diese Zahl in diesem Land als gute Botschaft werten, denn in 2014 waren es noch 1781 Menschen, die umkamen, im Jahr davor sogar 3001. So paradox es im ersten Moment klingt, der Terroranschlag vor einem Jahr hat Pakistan offenbar in ein sichereres Land verwandelt, aber das Militär ist gleichzeitig zu mächtig geworden.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre

Ihr Hubert Gude 
SPIEGEL-Redakteur

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